Denn sie wissen nicht was sie tun…

Von Raufarhöfn ging es in die Nähe von Husavik auf den Campingplatz Heiðarbær, der ein nettes kleines Schwimmbad bietet und gegenüber von einem mehr oder weniger inaktiven Geysir.
Geysir bei Heidarbaer
Der Platz an sich ist nur bedingt zu empfehlen, finden wir. Die Straße daneben ist doch relativ stark befahren und das neue (war 2015 noch nicht da) Küchenhäuschen so versifft das es nicht wirklich schön ist und wir hätten es gemieden wenn man dort nicht auch abwaschen müsste. Die Sanitäranlagen sind allerdings gut.

Jedenfalls sind wir von hier aus nach Þeistareykir gefahren. Ein Geothermalgebiet, bzw. ein aktives Vulkangebiet im Süden von Husavik. Auf der Fahrt dahin hat man eine schöne Aussicht über die Bucht.
Aussicht auf die Bucht Skjálfandi

Man fährt durch Felder von Lupinen, die sicher angelegt wurden, so zahlreich sind sie.
Lupinenfelder
Bald schon kommen diverse Baustellen in Sicht. Hier entsteht ein Geothermalkraftwerk. Noch eines. Für noch mehr Industrie, denn Strom gibt es ja eigentlich mehr als genug um die Bevölkerung zu versorgen. Überall Bagger, Strommasten, Container und Baustellen.
Kraftwerk
Die lieben Isländer haben schon immer alle Ressourcen ausgebeutet die sie hatten. Dummerweise. Ich finde sie wissen nicht was sie tun.

Þeistareykir selbst ist wunderschön – eine Grüne Oase in karger Lavalandschaft, mit Fumarolen und blubbernden heißen Matsch.
Geothermalgebiet

Es gibt auch eine Wanderhütte, in der Nähe soll es tolle Höhlen mit Tropfsteinen geben, Wegweiser sehen wir allerdings nicht. Ohnehin gehrt dieses Gebiet zu den touristisch wenig bekannten, obwohl es sich hinter “berühmteren” Gebieten nicht verstecken muss.
Hütte in Theistareykir

Eine aufgestellte Infotafel informiert, dass in dem Gebiet 58 historische Stätten sind und dass die Gegend als eine der wichtigsten Stätten des isländischen Kulturerbes handelt.
Ruine

Auch biologisch betrachtet ein wertvoller Ort, überall wächst zum Beispiel dort das bei uns strenggeschützte gefleckte Knabenkraut, eine wilde Orchidee:
Geflecktes Knabenkraut

Ein Kleinod geschändet von der Gier der Menschen. Wirklich schade.

Drollige Kerlchen, diese Papageientaucher

Die Wettervorhersage war ganz gut für den Freitag, so entschieden wir uns, nach Bakkagerði zu fahren, um Papageientaucher zu sehen. Da es später am Tag nicht mehr so schönes Wetter sein soll, fahren wir erst einmal zügig zum Ziel.

Bakkagerði ist ein kleiner Ort mit vielleicht 100 EinwohnerInnen. Die Papageientaucher sind dort eindeutig in der Überzahl. Auf diesem Bild sieht man dicht an dicht die Höhlen, die sie sich unter der Grasnarbe bauen und überall sitzen sie dort:
Felsenhang voller Puffinhöhlen

Überall herrscht geschäftiges Treiben, sie bauen noch an ihren Nestern. Grashalme und anderes Pflanzenmaterial bringen sie in ihre Höhlen, um es sich und ihrem Nachwuchs gemütlich zu machen.
Puffins auf dem Felsen

Es ist einfach wunderschön, diese putzigen Tierchen zu sehen, erst recht in einer so schönen Landschaft.
Landschaftsbild mit Puffins im Vordergrund

Wenn sie landen wollen, sieht es irgendwie immer aus als seine sie Zeichentrickfiguren. Ihre roten Füße hängen erst herab und kurz bevor sie landen stellen sie sie nach vorn, der Flugrichtung entgegen.
Puffin im Landeanflug

Wir konnten ziemlich nach an sie heran, in Bakkagerði haben sie Holztreppen und Plattformen für die Gäste gebaut. Die Vögel sind auch nicht besonders scheu.
Zwei Puffins im Gras

Er hier sieht aus als ob er gerade seine Gedanken in die Ferne schweifen lässt und überlegt, wo es demnächst hingehen soll. Ein Puffin mit Fernweh.
Puffin mit Fernweh

Dieser hier saß eine Weile einfach auf diesem flechtenbewachsenen Felsen:
Puffin auf flechtenbewachsenem Felsen

Schwimmen können sie natürlich auch:
Schwimmender Puffin

Der hier posierte vor seiner Höhle:
Puffin vor seiner Höhle

Und hier ist zum Schluss noch ein echtes Postkartenbild:

Wir haben es sehr genossen, ihnen zuzusehen. Es sind einfach Gute-Laune-Vögel.

Auf dem Rückweg haben wir dann noch ein paar landschaftliche Schönheiten genossen. Wir sind ein Stück in die Schlucht Innra Hvannagil hineingegangen. Die Berge dort sind aus faszinierend goldgelbem, strahlendem Rhyolith, durchzogen von dunkelgrauen Basaltadern. Über die Schlucht gibt es viele Erzählungen von merkwürdigen, geisterhaften Ereignissen, die den Bauern dort widerfahren sind.
innra Hvannagil

Weitere faszinierende Ansichten konnten wir beim Gebirge Dyrfjöll (isländisch für Türberge). Die namensgebende Tür beziehungsweise das Tor sind nicht zu übersehen. Wie alle etwas höheren Berge sind auch diese oben noch schneebedeckt. So kann man besonders gut erkennen, dass die Berge aus verschiedenen Schichten bestehen. Das Gebirge ist ein erloschener Zentralvulkan aus der älteren Zeit Islands und ist etwa 12 Millionen Jahre alt.
Dyrfjöll

Ein Tagesausflug mit vielen schönen Eindrücken ging zu Ende und wir fuhren zurück zu unserem Wohnwagen und ließen den Tag ruhig ausklingen.